Jahresprogramm
2026
Umgeben von Wasser und Bergen, erfüllt der Kunstverein Friedrichshafen eine spezielle poetische Funktion: Er ist ein Ausstellungsraum gelegen am Bodensee – einer Vierländerregion, die unterschiedlichste Perspektiven eröffnet. In seinen vier Ausstellungen im Jahr 2024-2026 beschäftigt er sich deshalb mit dem Ort. Damit ist sowohl der Ort als konkrete geographische Bestimmung gemeint, sowie auch als gemeinschaftlicher Begegnungsraum, schützendes Refugium oder Träumerei. Der Kunstverein Friedrichshafen als Ort des Austauschs, der Reflexion und des offenen Dialogs. Er will ein Möglichkeitsraum sein – nicht nur für künstlerische Prozesse, sondern auch für gemeinschaftliches Denken, Begegnung und aktives Mitgestalten.

Der Kunstverein Friedrichshafen setzt seine programmatische Linie fort und legt den Fokus auf Positionen im Übergang. Aufbauend auf den Auseinandersetzungen über den “Ort“ der Ausstellungsjahre 2024 und 2025 richtet sich der Blick nun auf künstlerische Setzungen, die aus instabilen und fragmentierten Zusammenhängen entstehen: persönliche und historische Perspektiven treffen aufeinander, Narrative werden gebrochen, verschränkt und neu zusammengesetzt. Strukturelle Macht und gesellschaftliche Realität geraten in Bewegung. Der Ort wird dabei nicht mehr als stabile Größe verstanden, sondern als materieller und narrativer Prozess, der sich immer wieder neu gestaltet.
Statt abgeschlossener Aussagen entstehen 2026 Arbeiten als Prozesse, als ein Beginn, der Spannungen offenlegt, Konflikte sichtbar macht. Die Betrachter*innen sind dazu eingeladen, Position zu beziehen und über die Bedingungen und Perspektiven des Zusammenspiels von Individuum und Gesellschaft nachzudenken. In diesen prozesshaften Ausstellungen schlummern immer auch Wünsche nach Transformation, nach einem Überwinden von bestehenden Ängsten. Indem man dieser Konflikthaftigkeit gemeinsam begegnet, entsteht das Potential den Ort zu einem Raum der stetigen Veränderung zu verwandeln.
Das Ausstellungsprogramm 2024 präsentierte Künstler*innen und Duos, deren kreative Prozesse die unterschiedlichsten Fragen zu Orten stellen wollen: Wie nutzen wir sie individuell und gemeinschaftlich? Wie wichtig und wertvoll ist ein genauer Blick auf die uns alltäglich umgebende (Um)Welt und darauf, wie wir leben wollen? Die vier Positionen bedienten sich dafür der künstlerischen und ortsspezifischen Recherche; es wurde kooperiert, verrückt, dokumentiert und es wurden im Kunstverein letztendlich vollends neue Orte zwischen einem Hier und Dort geschaffen. Sie experimentierten mit einem Verbinden dieser Gegensätze und versetzten so, wenn auch manchmal nur für einen kurzen Augenblick, den Kunstverein an einen Zukunftsort. 2025 wurde das Konzept des Ortes als metaphorische Klammer erweitert und alternativ erforscht: aus singulären Blicken einzelner künstlerischer Positionen, wurden Ausstellungen, Auseinandersetzungen und Reflexionen durch Kollektive, Gruppen und Duos. Kollaboration vor Ort haben sich auch im Ausstellungsraum selbst verdeutlicht: die kollektive Autor*innenschaft untersuchte Formen der Zusammenarbeit und Partizipation. Darüber hinaus erweiterte sich der Blick – ein besonderer Fokus lag 2025 die Ausweitung der Stadt Friedrichshafen und ihre Verknüpfung mit unmittelbaren, nahen und fernen Orten. Hierzu wanderten die Ausstellungen vom Kunstverein aus, wurden vereint und vernetzt.
Der Kunstverein präsentiert 2024-2026 Positionen von Angyvir Padilla, Tamara Goehringer, Xiaopeng Zhou, Super Vivaz, Hoël Duret, Marta Dyachenko, Ben Saint-Maxent, Sophie T. Lvoff, Peles Duo, PARA, der Gruppe DORF, Lin Olschowka, Lisa Röing Baer, Alina Kleytman und John Hussain Flindt.